
Finanziert mit Steuergeld
aus Berlin & Bern?
Luxusyacht "PLAN A"
2021 im Mittelmeer.
Montage: SCR
Maskenaffäre, Teil 2
Follow the Money: die Schweizer Jungunternehmer und ihre mächtigen Hintermänner
Kein anderer Strand des Mittelmeers ist so karibisch wie die Playa Illetes. Weiß der Sand, türkis das Wasser und kilometerlang die Landzunge zwischen Formentera und der Party-Insel Ibiza. In der Sommersaison ankern hier Yachten aus allen Teilen des Mittelmeers. Sie kommen nicht nur wegen der Schönheit der Natur, sondern wegen des Jetset-Treffpunkts in den Dünen. Schon von weitem sieht man die vier ikonischen Palmen über einer Ansammlung heller Sonnenschirme - Juan i Andrea, die Fischerhütte für Yachtbesitzer.
Ab 13, 14 Uhr landen sie mit flotten Beibooten zum Lunch: jovial auftretende Bootseigner mit Entourage, oft der Skipper mit dabei, fast immer mit schönen Frauen, manchmal auch mit Kindern, Nannies und Geschäftsfreunden. Man hört russisch, aber auch den Sound der britischen Oberschicht. Füße im Sand, Champagner auf den Tischen, Rechnungen fünfstellig. Das Schöne an dieser rustikalen und doch so exklusiven Strand-Location: man kommt fast nur mit dem eigenen Schiff dahin. Und so bleibt man unter sich, keine Paparazzi, wenig Instagrammer.
Im Spätsommer 2021 sitzen hier ein paar junge Männer in Shorts und Polos, Ray-Bans auf der Nase und Vintage in den Gläsern. Sie stoßen an auf den Coup ihres Lebens und ordern die frisch gefangenen Langusten aus den lokalen Gewässern. Das Schiff, mit dem sie gekommen sind, ist bei weitem nicht das größte in der Bucht, aber vielleicht das schnellste: eine Man gusta 13, flach wie ein Rennboot, und doch eine Luxusyacht: 40 Meter lang, 170 Tonnen schwer, Marmorbäder, Mahagoni-Möbel und Whirlpool inklusive. Über 7000 PS braucht es, um das schwere Boot auf Geschwindigkeit zu bringen. Mit 30 Knoten sind sie von Ibiza hier rüber gebrettert. Auf dem Heck kann man mit dem Fernglas einen Schriftzug erkennen: „Plan A“ in großen Aluminium-Buchstaben. Auf der Badeplattform liegen Taucherflossen und Water-Scooter, und über allem weht die weiß-rote Flagge von Malta. (1)
Wer dort, im Schiffsregister von Valetta, recherchiert, erfährt, dass „Plan A“ früher „African Cat“ hieß und am 1. August 2021 für 5,5 Millionen Euro den Besitzer wechselte. Neuer Eigentümer wurde die Abulagugu Ltd., gegründet am 22. Juli desselben Jahres mit dem Geschäftszweck, Schiffe zu kaufen und zu unterhalten. Gesellschafter der Abulagugu sind zwei junge Schweizer: Luca Steffen und Jascha Rudolphi. (2)
Es ist das Duo, das es geschafft hat, den deutschen Staat in der Maskenaffäre um eine Dreiviertel Milliarde Euro zu erleichtern, und nun einen Weg gefunden hat, das Steuergeld stilvoll unter die Leute zu bringen.
Eine Jugendfreundschaft
Steffen und Rudolphi haben sich schon in der Grundschule kennengelernt, in einem Dorf im Umland von Zürich. Später trennen sich ihre Wege, Rudolphi fängt eine kaufmännische Lehre an, Steffen geht auf’s Wirtschaftsgymnasium, beide bleiben aber enge Freunde. Denn sie teilen einen Traum: Unternehmer zu werden. Mit 16 steigen sie in den Handel mit Markenprodukten ein, die sie an den offiziellen Kanälen vorbei günstig im Ausland kaufen und in die teure Schweiz importieren: vor allem Coca-Cola und Schokolade. Weil der Handel floriert, gründen die beiden 2016 eine Gesellschaft: die Emix Trading GmbH. 2018 erweitern sie ihren Aktionsradius und beginnen, Parfüms und Kosmetika nach Asien zu exportieren. So ergeben sich auch Kontakte in Hongkong und China, die in der Corona-Krise ein strategisches Asset werden.
So lesen wir es in einem Interview, das die beiden Gründer im April 2022 der Süddeutschen Zeitung gaben.(3) Den Journalisten der SZ erzählen sie eine Geschichte von harter Arbeit und mühsamen Aufstieg: wie sie palettenweise Cola-Dosen schleppen, an Dönerläden ausliefern, Rückschläge erleiden, aber dank Cleverness und Zähigkeit langsam größer werden. Als sich COVID19 ausbreitet, und alle Welt Masken braucht, können ihre chinesischen Kontakte liefern. Steffen und Rudolphi gehen voll ins Risiko, ordern was sie bekommen können und arbeiten rund um die Uhr. „Nicht weil wir Geschäfte machen, sondern weil wir helfen wollten. Damals herrschte das Gefühl, Masken entscheiden über Leben und Tod.“ So erzählen sie es der Süddeutschen. Bis zum Sommer 2020 hätten sie nicht gewusst, ob sie mit Gewinn oder Verlust aus der Sache rauskommen würden.
Doch das Narrativ von den beiden bodenständigen Jungs, die zufällig eine Marktlücke entdecken, selbstlos ins Risiko gehen und mutig im Alleingang handeln ist in mehrfacher Hinsicht geschönt.
Mentor und Boyband
Zunächst: Steffen und Rudolphi handeln keineswegs allein. Als die beiden im Januar 2016, als 19jährige, die Emix Trading GmbH gründen, werden sie auf dem Weg zum Notar von einem deutlich älteren Mann begleitet, der den spröden Charme der Zürcher Geschäftswelt ausstrahlt: korrekter Scheitel, kantige Brille, schmales Einstecktuch: Peter Ackermann. Er ist Anwalt bei MME, einer renommierten Kanzlei, die ihre Mandanten in Steuern, Recht und Compliance berät. Internationale Rankings führen MME als Spezialistin für FinTech und Crypto, die Kanzlei gehört zu den Gründungsmitgliedern der Crypto-Valley-Association und berät bei großen Finanztransaktionen. Die Partner in der Führungsetage sind beruflich und privat eng verflochten mit der Elite der Schweizer Wirtschaft. Eine Welt, in der Geld und Diskretion Synonyme sind. Und der italienische Golfschäger als Arbeitsmittel gilt.
Dass ein Anwalt aus diesem Milieu gemeinsam mit Steffen und Rudolphi eine Gesellschaft gründet,(4) ist überraschend. Nicht wegen des Altersunterschieds - überall auf der Welt sucht altes Geld junge Talente - sondern wegen der Ausrichtung des Startups. Smarte Investoren suchen Unternehmen mit Innovationen, Patenten, disruptiven Visionen und Burggräben um ihre Geschäftsmodelle. Von all dem hat Emix Trading nichts: es ist ein Gemischtwarenladen, der im grauen Markt der Re-Importe agiert. Ein Geschäftsmodel von gestern.
Trotzdem steigt Elite-Anwalt Ackermann ein. Es ist das erste Rätsel in einer langen Reihe von unwahrscheinlichen Ereignissen. Die Jungunternehmer sehen in Ackermann einen „Mentor“, wie sie später zu Protokoll geben.(5)
Drei Jahre später kommt Bewegung ins Handelsregister: Im Frühjahr 2019 meldet Emix Trading den Umzug in die Kantstraße 14, eine prestigeträchtige Adresse am Züriberg.(6) Wenige Monate später zieht in die gelbe Villa mit den grünen Fensterläden eine weitere Firma ein, die in der Maskenaffäre eine Rolle spielen wird: die Sanafix GmbH. Geschäftszweck: „Produktion und Vertrieb von Produkten und Dienstleistungen im Gesundheitswesen“.(7)
Gründer ist Dean Teuber, ein umtriebiger Jungunternehmer, der zum Bekanntenkreis von Steffen und Rudolphi gehört. Auch er bringt einen deutlich älteren Gesellschafter mit: Niklas Fruth, Betreiber der Werbeagentur SRSLY. Deren Website besteht aus 20 Zeilen Text und führt als Referenzkunden eine Physiopraxis und das Gartenmagazin „Pflanzenfreund“ auf. Mit anderen Worten: Fruth mag alles mögliche sein, aber ein erfolgreicher Agenturchef ist er sicher nicht.
Ende September 2019 steht die Infrastruktur für die Maskendeals: Emix hat Geschäftskontakte mit chinesischen Lieferanten aufgebaut; die drei Hauptakteure sitzen unter einem Dach am Züriberg und sie haben den Kanal nach Berlin vorbereitet: durch die Einbindung des Werbers Niklas Fruth.
Wenn man sich die Fotos anschaut, die später auftauchen, wirkt das Trio wie eine Boyband der 90er Jahre - mit unterschiedlichen Typen für jeden Geschmack: der blonde Jascha Rudolphi, der sonnig lächelt und viel trainiert; der südländische Luca Steffen, der den ernsteren Part spielt, und schließlich Dean Teuber, der gegelt und glattrasiert den Business-Typ repräsentiert. Auf den privaten Fotos wirkt das alles sehr unbekümmert - ob beim Feiern am Strand oder im holzgetäfelten Anwaltsbüro. Die offiziellen PR-Fotos dagegen zeigen Steffen und Rudolphi ein Lächeln, das einen leicht zynischen Unterton hat. Beide mit weißen Pullovern, Rudolphi von Stone Island und Steffen mit dickem Rollkragen, wie ihn Ghislane Maxwell gerne trug - zum Beispiel auf ihrem ikonischen Foto mit Andrew Windsor-Mountbatten.
Verschlungene Wege ins Ministerbüro
Am 28. Februar 2020 erhöht die WHO die Risikobewertung für COVID-19 - auf „sehr hoch“, eine Stufe unter dem Pandemie-Status. Das ist eine Reaktion auf die rapide Ausbreitung des Virus in China, und die zunehmenden Fallzahlen in weltweit. In der Schweiz ruft der Bundesrat nach dem Epidemiegesetz eine „Besondere Lage“ aus - die Basler Fasnacht und der Genfer Automobilsalon werden abgesagt.
Was andere beunruhigt, hebt die Stimmung in der Villa am Züriberg. An diesem 28. Februar unterschreiben Steffen und Rudolphi eine Provisionsvereinbarung mit Niklas Fruth: 10% von allen vermittelten Umsätzen mit Persönlicher Schutzausrüstung soll der Werbefachmann erhalten. Es ist ihm explizit erlaubt, Unterverträge mit weiteren Vermittlern abzuschließen. Offensichtlich soll Fruth in der Vermittlungskette nur die Rolle eines Zwischenträgers spielen. Noch am selben Tag kontaktiert er über eine gemeinsame Bekannte in der Zürcher Werbeszene Andrea Tandler. Aufgrund ihrer CSU-Verbindungen muss Tandler dem Emix-Team als besonders wertvoll erschienen sein. Und so macht Fruth ihr ein überaus großzügiges Angebot: sie soll den größten Teil seiner Umsatzprovision bekommen - mindestens 60%, und wenn der Kunde Spahn heißt, sogar 80%.(8) Das lässt darauf schließen, dass der Gesundheitsminister von Anfang an im Visier des Start-Ups war. Wusste man in Zürich, dass der Minister entgegenkommend sein würde?
Andrea Tandler hat zwar keinen direkten Draht zu Spahn, aber zu Monika Hohlmeier. Die beiden Frauen haben einen ähnlichen familiären Hintergrund: ihre Väter gehörten in den 70er und 80er Jahren zum Führungszirkel der CSU. Hohlmeiers Vater war der bayerische Ministerpräsident Franz-Joseph Strauß, sie selbst ist Europaabgeordnete, und so kann sie mit Spahn auf Augenhöhe sprechen. Am 4. März schickt sie ihm die bekannte E-Mail, die Emix den Zugang zum Ministerbüro verschafft. Dafür bekommt sie keinerlei Provision - und hat auch keine verlangt.
In Berlin kümmert sich Spahn persönlich darum, dass Emix zum Lieferanten wird und die Konkurrenz das Nachsehen hat. Der Untersuchungsbericht von Margaretha Sudhof dokumentiert die Einmischung des Ministers im Detail. Es sind genau die Passagen, die später geschwärzt wurden.
Die Schweizer Armee ausmanövriert
In Zürich bemühen sich die Emix-Gründer Steffen und Rudolphi unterdessen, weitere Kunden zu gewinnen. Über Andrea Tandler sind sie mit Bayern im Gespräch, außerdem - auf anderen Kanälen - mit Nordrhein-Westfalen, den Benelux-Staaten und Frankreich. Das spektakulärste Geschäft aber machen sie mit der Schweizer Armee. Nicht weil die Summe so groß ist, sondern weil es exemplarisch zeigt, wie die Gründer die Behörden nach ihrer Pfeife tanzen lassen.
In den Morgenstunden des 27. Februar bietet Emix der sogenannten Armee-Apotheke 2 Millionen FFP2-Masken des renommierten US-Herstellers 3M an. Preis: 8,90 Euro. Die Entscheidung müsse schnell fallen, sonst erhielten andere den Zuschlag. Mittags schiebt Emix die Information nach, dass man eine verbindliche Bestellung des deutschen Staates über zwei Millionen Masken habe und das Angebot an die Schweiz daher nur noch bis 14 Uhr gültig sei. Eine Finte, denn zu diesem Zeitpunkt besteht noch gar kein Kontakt nach Berlin. Doch die Schweizer Militärs lassen sich täuschen und ordern 50.000 Stück - zum Doppelten des Marktpreises. Als die Masken am 18. März eintreffen, kommen sie nicht aus den USA von 3M, sondern vom chinesischen Hersteller Te Yin. (9)
Der absprachewidrige Herstellerwechsel hätte der Armee die Möglichkeit gegeben, die Zahlungen an Emix zu kürzen. Aber das Militär akzeptiert die schlechtere Qualität ohne Abschlag und weitet die Kooperation mit Emix sogar aus. Innerhalb weniger Wochen bestellt es in mehreren Tranchen 1,5 Millionen FFP2- und 10,5 Millionen OP-Masken. Kosten: knapp 23 Millionen Franken.(10) Wie in Berlin so gibt es auch in Bern keinerlei schriftliche Vereinbarungen über den Deal. Die Preisverhandlungen seien telefonisch gelaufen, auf der Grundlage des Emix-Angebots vom 27. Februar, sagt ein Armeesprecher später.(11)
Auch die Qualitätsprobleme sind in beiden Ländern ähnlich gravierend. Im April warnt die EU vor den FFP2-Masken des chinesischen Hersteller Te Yin. Urteil: „gesundheitsgefährdend“, weil die Masken zu viele Partikel durchlassen.(12) 130.000 davon hat Emix an die Armee geliefert. Weitere 700.000 sind von Schimmelpilz befallen und müssen vernichtet werden. Verpackt wurden sie in giftgrünen Boxen der ägyptischen Firma „Chemi Pharma Medical“, die aber nach eigener Auskunft noch nie Masken produziert hat. Ein Etikettenschwindel also. Vermutlich stammt die Lieferung aus alten ägyptischen Armeebeständen.(13)
Gründe genug, um die Zahlungen an Emix noch mal zu überprüfen. Doch die Schweizer Armee räumt dem Startup im März 2021 das Recht auf Nachbesserung ein; Emix kann die Steuergelder behalten und neue Masken zum Spottpreis nachkaufen.
Ein Offizier und Businessman
Das gefällt nicht jedem. Ein Anwalt aus Luzern erstattet Strafanzeige gegen Emix wegen Wucher. Er beruft sich dabei auf E-Mails der Gründer, die durchgesickert sind. Darin besprechen sie ihre Preisstrategie und schreiben: „Hoffe es wird eine Pandemie ausgerufen, dann wird der Staat alles überteuert einkaufen“.(14) Der Wille zum Wucher geht aus der E-Mail eindeutig hervor, aber damit es zum Prozess kommen kann, muss der Geschädigte bestätigen, dass der Preis übertrieben war. Genau das macht die Armee aber nicht, und vergibt damit die letzte Chance, verschwendete Steuergelder zurückzuholen. Im Frühjahr 2025 stellt die Staatsanwaltschaft Zürich die Ermittlungen ein.(15) Steffen, Rudolphi und Teuber dürfen sich entspannt zurücklehnen.
Verantwortlich für die großzügige Behandlung von Emix ist Brigadier Markus Näf. Kein Berufssoldat, sondern Reserveoffizier und im bürgerlichen Leben Partner einer internationalen Kanzlei. Er ist der Kandidat einer Seilschaft, die über Armeechef Suessli bis an die Spitze des Verteidigungsministeriums reicht - zu Viola Amherd, der zuständigen Bundesrätin. Am 26. März wird Näf überraschend zum Chef der Armeeapotheke ernannt und ersetzt damit einen erfahrenen Berufsoffizier. Unter der Leitung von Näf akzeptierte die Armee-Apotheke die fehlerhaften Masken, und verzichtete auf Preisnachlässe und Rückzahlungen.(16)
Schweizer Medien äußern den Verdacht, dass er Konkurrenten von Emix ausschaltete – nicht persönlich, sondern elegant und indirekt über seine Verbindungen in die Bankenwelt. Dem Lieferanten Netztal AG weist er zunächst sieben Millionen Franken Vorauszahlung an, aber die UBS sperrt das Konto wegen des Verdachts auf Geldwäsche. Indizien sprechen dafür, dass UBS-Chef Sergio Ermotti persönlich die Aktion deckte. Am Ende erweist sich der Geldwäscheverdacht als unbegründet, aber da ist Netztal längst ausmanövriert.(17)
Der Deal mit der Schweizer Armee mag klein gewesen sein im Vergleich zu dem Mega-Deal mit dem Berliner Gesundheitsministerium. Aber er weist die gleichen Charakteristika auf: die überhöhten Preise, die Bevorzugung gegenüber Konkurrenten, die Überbestellung, die mangelhafte Qualität und der Verzicht des Staates auf Regress - und damit Steuergeld. In beiden Fällen handeln die Entscheidungsträger in staatlichen Organen gegen die Interessen, die sie eigentlich vertreten müssten. In beiden Fällen ist kein Grund ersichtlich, warum sie so handelten.
Sportwagen und das Geheimnis der Geschäftszahlen
Strozzi’s Strandhaus ist an warmen Sommerabenden ein beliebter Posertreff. Die Stilbewußten kommen von der Seeseite mit der Riva, die übrigen parken mit ihren Boliden die Uferstraße in Herrliberg zu. In den Lounge-Chairs fläzen sich die Totenkopf-T-Shirts von Philipp Plein, trinken Aperol Spritz zu Ibiza-Sound und schauen über den Zürichsee, wo die Sonne hinter dem Uetliberg versinkt. Manche tragen getönte Retrobrillen in Gelb oder Orange, die mit den Drinks und dem Sonnenuntergang ein psychedelisches Farbspiel ergeben. Es sind die Abende, an denen die konservativen Villenbesitzer auf den Hügeln der Goldküste lieber zuhause bleiben. Im Juni 2020 haben Luca Steffen und Sascha Rudolphi die Location für sich entdeckt und fahren gerne mit ihren neuen Wagen vor: einem Bentley Continental GT und einem Ferrari F150 aus limitierter Serie. Die Fahrzeuge sind das Erste, was sie sich nach ihrem kolossalen Fang gegönnt haben. In der Innenstadt von Zürich sind sie damit schon aufgefallen, und die Presse stellt seitdem Überlegungen an, wie viele Millionen die beiden an den Maskengeschäften wohl verdient haben.(18) Im Tonfall der Berichterstattung schwingt moralische Empörung mit. Aber hier draußen, am Ufer der Goldküste, sind sie vor Neidern sicher.
Dabei ist die Frage nach den Geschäftszahlen von Emix nicht nur unter ethischen Vorzeichen interessant. Sie lassen Rückschlüsse zu auf den Umfang ihres Netzwerks und die Qualität ihrer Hintermänner. Denn eines ist klar: wer zwei europäische Regierungen am Nasenring durch die Manege führt, muss mehr im Rücken haben als Wirtschaftsabi und Kaufmannslehre.
Über den Umfang der Geschäfte mit Bern und Berlin herrscht weitgehend Klarheit. Mit Bayern kam wegen Qualitätsmängeln kein Umsatz zustande; über die Lieferungen nach Nordrhein-Westfalen, Frankreich und in die Benelux-Staaten gibt es keine veröffentlichten Zahlen. Aber es gibt einen Hinweis von Emix selbst: in einem Gespräch mit dem Tagesanzeiger sagt Peter Ackermann, Verwaltungsrat des Maskenhändlers: Die 23-Millionen-Lieferung an die Schweizer Armee mache nur 1% des gesamten Umsatzes aus.(19) Der Gesamtumsatz - das wären dann gut zwei Milliarden Euro. Vielleicht hat sich Ackermann versprochen oder einen Rechenfehler gemacht. Aber es ist doch ein Hinweis darauf, dass das Umsatzvolumen der Emix Trading AG deutlich über einer Milliarde Euro gelegen haben könnte.
Wie hoch aber war der Profit? Im März 2020 bekommt Emix eine Rechnung über 1,3 Millionen Masken, Preis pro Stück: 2,65 Euro, weiterverkauft an die Schweizer Armee für 8,90. Marge: 66%. Als der Tagesanzeiger den Emix-Verwaltungsrat Ackermann mit diesen Zahlen konfrontiert, dementiert der den Einkaufspreis nicht, sagt aber, man könne daraus keineswegs auf den Gewinn schließen, weil noch viele andere Kosten anfielen: für Logistik, Steuern, Risikorückstellungen und überhaupt die ganze Infrastruktur eines Unternehmens.
Doch da vergisst Ackermann ein paar wichtige Details: Deutschland und die Schweiz importierten in der Corona-Krise Schutzmasken ohne Zoll oder Einfuhrumsatzsteuer, Verkaufspreis war also brutto für netto. Und auch in Sachen Logistik hatte Emix keine Kosten: den Transport drückten Steffen und Rudolphi der Bundeswehr aufs Auge, die die Masken mit gecharterten Frachtmaschinen in China abholen musste. Ein Coup - zumindest aus Sicht der Gründer.
Unter diesen Bedingungen sieht die Gewinnrechnung so aus: Einkauf der FFP2-Masken für 2,65 Euro, Verkauf an das BMG für 5,40 Euro, Umsatzsteuer und Transport Null, Rohmarge 50%, macht bei 750 Millionen Umsatz 375 Millionen Profit. Davon gehen 10% Provision ab - bleiben also rund 300 Millione übrig.(20) Und das ist nur die Bilanz des Geschäfts mit Berlin.
Allerdings steckt in dieser Rechnung ein gewaltiges Problem: das BMG hat keinerlei Vorschuss an Emix bezahlt. Das geht aus dem Sudhof-Bericht mit großer Eindeutigkeit hervor. Die Gründer mussten also über 350 Millionen Euro vorfinanzieren.
Diese Zahl ist der Dreh- und Angelpunkt der Maskenaffäre.
Sie bedeutet nichts anderes, als dass die Gründer und ihr Mentor Ackermann nicht allein gehandelt haben können. Sie mussten Finanziers und damit Hintermänner haben. Das ist die zwingende Logik der gesamten Affäre.
Wer aber könnte das gewesen sein? Darauf gibt es drei mögliche Antworten.
Die Hintermänner der Maskendeals
Variante 1:
Friends & Family. In der Schweizer Presse wurde eine Zeitlang die These diskutiert, hinter den Maskendeals könnte die Milliardärs-Familie Louis-Dreyfus stehen. Die Familie hält 46% am Louis-Dreyfus-Konzern, mit 36 Milliarden Umsatz einer der vier größten Agrarrohstoffhändler der Welt.(21) Familienoberhaupt ist Margarete Louis-Dreyfus, Witwe des legendären Robert, der Olympique Marseille kaufte, Adidas sanierte und den berüchtigten Kredit gab, mit dem Franz Beckenbauer die FIFA schmierte.(22) Einer ihrer drei Söhne ist der damals 22jährige Kyril, Erbe eines 2 Milliarden schweren Trust-Funds und Besitzer des englischen Fußballclubs Sunderland.(23) Die Daily Mail bezeichnet ihn als Playboy-Milliardär und zeigt eine Fotostrecke über sein Nachtleben mit schwarzen Athleten.(24) Er ist seit seiner Kindheit mit dem Mann befreundet, der die Vermittlungskette zu Jens Spahn in Gang setzte: Dean Teuber, Gründer von Sanafix und Gast auf der schnittigen Mangusta.(25) Könnte es also sein, so fragte die Schweizer Presse, dass der Playboy-Milliardär den Masken-Deal seines Jugendfreundes finanziert hat? Alle Beteiligten haben das dementiert und mit Klagen gedroht. Ist es dennoch eine ernst zu nehmende Möglichkeit? Wenn man sich die Vermögensverhältnisse der Familie anschaut und sie abwägt gegen die Gelegenheit eines schnellen Gewinns mit einem zweifelhaften Deal, dann lautet die Antwort: eher nicht. Es sei denn die Familie hätte eine unbekannte Schwachstelle.
Variante 2:
Der chinesische Hersteller. Emix orderte seine Masken bei mehreren Firmen, größter Lieferant war Tongcheng Zhengheng Protective Products Ltd. aus der chinesischen Provinz Anhui.(26) Die Region ist ein Zentrum für die Herstellung Persönlicher Schutzausrüstung. Eine mittelständische Branche, sie produziert Massenware mit geringen Margen, Finanzreserven sind in den Bilanzen der Hersteller daher nicht zu erwarten. Nur in der Corona-Krise explodieren Umsätze und Gewinne - eine einmalige Gelegenheit für die mittelständischen Hersteller. Ist es realistisch, dass einer von ihnen Ware im Wert von 350 Millionen Euro ohne Vorklasse oder Sicherheit liefert? Während gleichzeitig zahlungskräftige Konkurrenten Schlange stehen? Eigentlich ausgeschlossen.
Es sei denn, hinter Tongcheng Zhengheng stünden andere Interessen - zum Beispiel die Partei, der Staat oder die Triaden. Das sind Kräfte, die ihr Geld auch ohne Vorkasse bekommen und deshalb durchaus mal großzügig sein können. Wenn also die Finanzierung aus China kam, ist die Maskenaffäre eine Operation mit geopolitischer Dimension. Sie könnte dazu dienen, schwarze Kassen auf dem europäischen Kontinent zu schaffen, die keinerlei sichtbare Verbindung nach China haben. Sie eignen sich als unverdächtiges Finanzierungsinstrument - für die politische Landschaftspflege zum Beispiel oder die Infiltration der Wirtschaft.
Variante 3:
Organisationen mit zu viel Cash. Einer der größten Kostenfaktoren für das organisierte Verbrechen ist die Verwandlung von schmutzigem Bargeld in legitimes Kapital, das man ohne Einschränkungen in Unternehmensbeteiligungen, Immobilien und Luxusgüter investieren kann. Diese Transformation ist ein mehrstufiger Prozess, der bis zu 30% der illegalen Gewinne verschlingen kann.(27) Eine der Techniken, die Spur des Geldes zu verschleiern, sind Dreiecksgeschäfte im internationalen Handel. Im Falle der Maskendeals wäre das Setup nahezu perfekt gewesen: der europäische Importeur platziert eine Mega-Order in China; die Rechnung bezahlt aber nicht er, sondern ein niederländisches Kartell von Konten in der Karibik; der Chinese liefert und die Bundesregierung überweist Staatsgeld an den Importeur - und das ist bekanntlich über jeden Zweifel erhaben. Es ist ein Verfahren, das aus dem Kostenfaktor Geldwäsche ein Profit-Center macht. Eleganter geht es kaum - zumindest aus Sicht eines Kartells.
Aber befindet sich das Geld am Ende nicht in den falschen Händen? Nicht, wenn man davon ausgeht, dass ein Drogenkartell in der Lage ist, drei Jungs in Bermudas unter Kontrolle zu halten. Dann sind sie sogar die idealen Treuhänder verborgener Interessen. Ihre demonstrative Prasserei lässt gar nicht erst den Verdacht aufkommen, sie könnten als Strohleute fungieren. Wer mit Geld um sich wirft, muss auch dessen Eigentümer sein, oder wie die Banken sagen: der „Ultimate Beneficial Owner“.
Ermittlungshypothesen
Schauen wir uns unsere gesammelten Erkenntnisse noch mal an. Wir haben zwei Tatorte - Berlin und Bern. An beiden Orten wird zu Beginn der Corona-Krise ein bis dato unbekanntes Startup aktiv, dem es gelingt, die höchsten Preise durchzusetzen, die größten Aufträge zu bekommen, schlechte Qualität zu liefern und trotzdem nahezu ohne Abschlag zu kassieren. In beiden Ländern staunt die Öffentlichkeit über dieses Kunststück und kann die Entscheidungen der Verantwortlichen nicht nachvollziehen.
Gleichzeitig wissen wir, dass das Drei-Mann-Startup, das 2019 noch reimportierte Coca-Cola an Dönerbuden lieferte, plötzlich einen dreistelligen Millionenbetrag finanzieren musste - und dies offensichtlich auch tat, denn ohne Finanzierung wäre der Multi-Millionen-Deal mit Berlin geplatzt. Weil Emix die nötige Kreditwürdigkeit für einen regulären Bankkredit fehlte, haben wir Alternativen durchgespielt. Die erste war die Friends-&-Family-Variante mit einer Schweizer Milliardärs-Familie. Die anderen Szenarien bringen die Schattenwelt ins Spiel.
Und hier wird’s spannend: wer immer Emix geholfen hat, musste zwei Eigenschaften mitbringen: Finanzkraft und die Fähigkeit, mächtige Entscheidungsträger ohne sichtbaren Spuren zur Kooperation zu bewegen. Die Kombination von Kapitalkraft und latenter Macht aber ist selten und sie kommt nur in drei Milieus vor: in der Welt autokratischer Geheimdienste, in der organisierten Kriminalität und in der Grauzone zwischen beiden.
Klingt das nach Verschwörungstheorie? Ja.
Aber: Die Bildung von Theorien und Modellen zur Erklärung der Wirklichkeit ist eine bewährte Methode in Wissenschaft und Forschung. Ein Weg sich dem Unbekannten anzunähern. In der Kriminalistik auch: dort bilden Polizisten und Staatsanwälte sogenannte Ermittlungshypothesen, die dann bewiesen oder widerlegt werden müssen. Nichts anderes mache ich hier: Die Hypothesen, die ich aufstelle, haben nicht den Anspruch, die einzig mögliche Wahrheit abzubilden, aber sie leisten etwas, was bisher kein Untersuchungsbericht und kein Presseartikel geschafft hat: eine plausible Erklärung zu liefern für die rätselhaften Vorgänge in der Maskenaffäre.
Hilfreich wäre es natürlich, wenn wir ein Indiz hätten, das die Akteure in der Maskenaffäre in Verbindung bringt mit der Schattenwelt, die ich beschrieben habe.
Die Spur in die Schattenwelt
Auf den ersten Blick haben weder die Gründer noch ihr Mentor Ackermann eine Verbindung zu diesen Milieus. Der seriöse Anwalt und die sympathisch aussehenden Jungs wirken wie gecastet für eine saubere Aufstiegsgeschichte. Aber im Herbst 2020 bekommt das schöne Bild einen Riß. Im kroatischen Lifestyle-Magazin „Grude-online“ präsentiert sich ein Selbstdarsteller mit rotem Ferrari: Hrvoje Kraljevic.(28) Seine Geschichte handelt von einer Kindheit in Kroatien, Auswanderung in die Schweiz, von Armut und Außenseitertum und plötzlichen Aufstieg zu märchenhaftem Reichtum. Den habe er Sascha Rudolphi zu verdanken und dessen Maskendeals. Zusammen seien sie der größte Player im deutschen Markt gewesen. Begleitet wird das Interview von Fotos, die Kraljevic mit Rudolphi und Ackermann in einer Bürosituation zeigen. Offenherzig gesteht Kraljevic dem Magazin, dass er als Jugendlicher Abkürzungen nahm und eine kriminelle Karriere begann. Im Alter von 20 sei er von einem Schweizer Gericht zu vier Jahren Knast verurteilt worden. Das war 2008. Warum, erzählt er nicht.
2012 wird Kraljevic entlassen, 2019 lernt er Rudolphi kennen, und die beiden gründen die Partarum Secura GmbH, die Versicherungen vermitteln soll.(29) Doch statt ihn Finanzprodukte verkaufen zu lassen, schicken die Emix-Gründer ihren neuen Geschäftspartner auf den Balkan, wo er seine Netzwerke in Serbien und Kroatien für sie nutzen soll. Kraljevic berichtet, dass er dort Produkte des italienischen Süßwarenherstellers Ferrero vertrieben habe – Nutella und Kinderschokolade.(30) Das klingt schräg und ist deshalb vielleicht auch eine Tarngeschichte.
Kaum sind die großen Maskendeals mit Berlin und Bern über die Bühne gegangen, drängt Rudolphi den Kroaten aus der GmbH.(31) Offensichtlich will man ihn schnell loswerden. Für seinen 10%-Anteil erhält er 20 Millionen Franken, was nach den Maskendeals eine faire Bewertung für die Emix Trading GmbH wäre. Doch Kraljevic ist gar nicht an der Emix beteiligt, sondern am brachliegenden Versicherungsmakler Partarum, der später in Emix Consulting umfirmiert wird. Warum also sollte man ihm soviel für seine Anteile bezahlen? Welche Dienste hat er geleistet? Oder auch: über was soll er Schweigen bewahren?
Hintergrund "Hybrider Krieg"?
Die Figur Kraljevic ist eine der roten Flaggen in der Maskenaffäre. Ein Ex-Knacki mit Balkanverbindungen, der einen Millionenbetrag ohne erkennbare Gegenleistung bekommt. Die anderen Flaggen sind die Finanzierungslücke bei Emix und das willfährige Verhalten in den Chefetagen zweier europäischer Staaten.
Wir haben drei Hypothesen auf dem Tisch, die in sich schlüssig sind, und wir haben keinen Beweis. Aber dieser Podcast ist ja auch kein Abschlussplädoyer, sondern ein Eröffnungszug. Für den weiteren Prozess ist es hilfreich, unsere Hypothesen in den politischen Kontext zu stellen.
Wir leben in einer Zeit, in der die alte Weltordnung auseinanderbricht und zahlreiche Akteure um ihre zukünftige Position kämpfen. Dazu gehören Staaten wie Russland, China und Iran; und natürlich kriminelle Netzwerke, die Bündnisse mit Regierungen schließen. Es ist eine unübersichtliche Welt, die hier entsteht. Eines ihrer Merkmale ist der hybride Krieg: Propaganda, Sabotage, Infiltration und eben Kriminalität werden zu Instrumenten der geopolitischen Auseinandersetzung.32 So wäscht der Iran das Geld der kolumbianischen Kokainmafia, um die Hiosbollah zu finanzieren;33 die Nachfolgeorganisationen des KGB kooperieren seit den 90er Jahren mit der russischen Mafia im Rohstoffhandel, der Geldwäsche und der Unterwanderung der westlichen Kapitalmärkte.34 Und China schickt seine Spione in die Paläste der Royals und die Büros der AfD.
Das ist der Hintergrund, den man bei der Analyse der Maskenaffäre berücksichtigen sollte. Jens Spahn gehört seit vielen Jahren zum Kreis der politischen Hoffnungsträger in der Union, und er ist schon aus diesem Grund ein interessantes Target. Was ihn aber noch interessanter macht, ist seine internationale Vernetzung. Er gehört zu einem transatlantischen Kreis schwuler Rechter. Mit dabei: Richard Grenell, der ehemalige US-Botschafter in Berlin; Peter Thiel, Tech-Milliardär und zentraler Sponsor der Trump-Regierung; schließlich Christian Angermeier, Pharma-Investor, Profiteur im Covid-Kontext und Freund der nächsten Trump-Generation. Dazu kommen Spahns Mitgliedschaft in der Transatlantik-Brücke, Einladungen zur Bilderberg-Konferenz und die Nähe zum Medienkonzern Burda, für den sein Ehemann als Cheflobbyist tätig ist.
In der Person des ehemaligen Gesundheitsministers kreuzen sich viele Linien. Wenn es in der politischen Landschaft Berlins jemanden gibt, dem es sich lohnt, den Degen auf die Brust zu setzen, dann ist es Jens Spahn.
Die schnittige Mangusta der Emix-Gründer wird mittlerweile vom Schiffsmakler Tissot zum Kauf angeboten – für 4,499 Millionen Euro. Mit Plan A haben sie wohl abgeschlossen. Plan B kennen wir noch nicht, aber er wird vermutlich noch ambitionierter sein.
Anmerkungen
1 Der Besuch im Strandrestaurant Juan i Andrea ist eine fiktive Szene, die die mutmaßliche Lebenswirklichkeit der Gründer der Emix Trading GmbH im Sommer 2021 illustriert. Belegt ist, dass Rudolphi, Steffen und Dean zusammen ihrem Mentor Peter Ackermann im Privatjet nach Ibiza flogen, um ihren Coup zu feiern (Quelle: Inside Paradeplatz). Anhand von Fotos läßt sich außerdem rekonstruieren, dass die „Plan A“ in den Gewässern der Balearen kreuzte.
2 Tagesanzeiger vom 23.2.2025, https://www.tagesanzeiger.ch/emix-maskenmillionaere-haben-sich-eine-jacht-gekauft-386097137155
3 Süddeutsche Zeitung, 28.4.2022; https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/maskenaffaere-emix-jascha-rudolphi-luca-steffen-u-ausschuss-andrea-tandler-1.5574012
4 North Data Company Information; https://www.northdata.de/EMIX%20TRADING%20AG,%20Zug/CHE-484.921.497
5 Inside Paradeplatz vom 18.6.20
https://insideparadeplatz.ch/2020/06/18/zuercher-masken-kid-kauft-laferrari-boliden/
6 Im Juni rückt Sascha Rudolphi in den Verwaltungsrat; dem bisherigen Geschäftsführer Luca Steffen werden zwei weitere Geschäftsführer an die Seite gestellt: der Rechtsanwalt Peter Ackermann und Dominik Pircher, der als Controller bei der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone SDA arbeitet. Der Zweck dieser Rochade ist unklar; möglicherweise soll Ackermann als juristischer Beistand stärker eingebunden werden, und Pircher Pressekontakte erleichtern, oder das Accounting managen.
Quelle: North Data; https://www.northdata.de/EMIX%20TRADING%20AG,%20Zug/CHE-484.921.497
7 North Data, https://www.northdata.com/Sanafix%20GmbH,%20Zug/CHE-434.743.963
8 DER SPIEGEL, 25.2.2022; https://www.spiegel.de/panorama/justiz/emix-maskenaffaere-offenbar-noch-hoehere-provisionen-bei-maskendeals-a-5c11658b-bf4b-4e64-9fff-92f6fc5e96f7
9 Die Veröffentlichung der Details der Bestellprozesse hat Emix mehrere Jahre mit juristischen Mitteln blockiert. Letztlich konnten Tagesanzeiger und SRF die Freigabe der Dokumente vor Gericht durchsetzen.
Tagesanzeiger vom 23.5.2024; https://www.tagesanzeiger.ch/emix-maskendeals-bundesgericht-gibt-brisante-dokumente-frei-sie-zeigen-die-uebertriebenen-versprechen-der-maskenhaendlerin-emix-578018609834
10 Inside Paradeplatz vom 4.12.2020; https://insideparadeplatz.ch/2020/12/04/luegen-am-laufmeter-masken-kaeufe-werden-krimi/
11 Tagesanzeiger vom 23.5.2024; https://www.tagesanzeiger.ch/emix-maskendeals-bundesgericht-gibt-brisante-dokumente-frei-sie-zeigen-die-uebertriebenen-versprechen-der-maskenhaendlerin-emix-578018609834
12 Tagesanzeiger vom 23.1.2021; https://www.tagesanzeiger.ch/millionen-unbrauchbarer-masken-in-schweizer-lagern-444999986734
13 Tagesanzeiger vom 20.1.2021; https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz-zahlte-millionen-fuer-nutzlose-masken-705733655693
14 Inside Paradeplatz, 9.8.2024; https://insideparadeplatz.ch/2024/08/09/emix-kids-seit-monaten-bedroht-was-macht-polizei/
15 Tagesanzeiger vom 23.9.2025; https://www.tagesanzeiger.ch/emix-masken-staatsanwaltschaft-zuerich-will-fall-einstellen-939875842180
16 Tagesanzeiger, 22.1.2021; https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz-zahlte-millionen-fuer-nutzlose-masken-705733655693
17 BLICK, 24.3.2021; https://www.blick.ch/wirtschaft/wegen-geplatzten-mega-masken-deal-st-galler-unternehmer-verklagt-ex-ubs-chef-ermotti-id16418144.html
18 BLICK vom 21.6.2020; https://www.blick.ch/wirtschaft/als-erstes-bentley-und-ferrari-gekauft-zuercher-jung-unternehmer-scheffeln-millionen-mit-masken-id15948789.html
Luzerner Zeitung vom 22.6.2020; https://www.luzernerzeitung.ch/wirtschaft/dank-corona-zur-luxuskarosse-zwei-zurcher-jung-unternehmer-verdienen-millionen-mit-maskenverkauf-ld.1231251
19 Tagesanzeiger, 20.6.2020; https://www.tagesanzeiger.ch/masken-millionaere-fahren-ferrari-970612428924
20 Die Rechnung hat eine gewisse Unschärfe: wir wissen nicht, ob sich die 50-prozentige Marge bei den FFP2-Masken auf die günstigeren OP-Masken übertragen läßt. Aber die Größenordnung von 300 Mio. Euro Gewinn nach Provisionszahlungen und vor Steuern dürften realistisch sein.
21 https://en.wikipedia.org/wiki/Louis_Dreyfus_Company
22 https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_Louis-Dreyfus
23 Tatler, 19.2.2021; https://www.tatler.com/article/who-is-kyril-louis-dreyfus-owner-sunderland-football-club-worth-2-billion
24 Daily Mail vom 18.2.2021; https://www.dailymail.co.uk/news/article-9275339/The-playboy-billionaire-bought-Sunderland-aged-just-TWENTY-THREE.html
25 Dean Teuber bestätigt die Verbindung in einem Interview mit Inside Paradeplatz vom 5.7.2025; https://insideparadeplatz.ch/2025/07/05/maskenboys-kassierten-749-mio-euro-von-berlin-wow/
26 Firmenname und Adresse sind auf Fotos der Bundeswehr vom Flughafen Leipzig zu erkennen, die DER SPIEGEL am 22.5.2022 veröffentlichte
27 Die drei Stufen der Geldwäsche sind a) die Einzahlung von Bargeld auf Konten von Kleinunternehmen mit Bargeld-Umsatz; b) die Verschleierung der Herkunft des Geldes über eine Serie von Transaktionen - oft über Landesgrenzen und Off-Shore - und schließlich c) die Nutzung des gewaschenen Gewinns für unverdächtige Wirtschaftsaktivitäten wie Investments in Immobilien oder Unternehmen.
Siehe dazu:
The Globalization of Crime – A Transnational Organized Crime Threat Assessment, UNODC, Wien, 2010; “In some criminal markets, particularly drug trafficking, a significant proportion of gross proceeds is absorbed by laundering costs, payments to intermediaries and losses. In extreme cases, up to one third of gross criminal revenues may be lost before profits can be realised.” (S. 22) https://www.unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/tocta-2010.html
Außerdem:
Financial Action Task Force. Professional Money Laundering; FATF, Paris, 2018. “Professional money launderers charge commissions or fees for their services, which are often calculated as a percentage of the proceeds laundered. Law enforcement cases indicate that these fees can range from low single-digit percentages to over 20 per cent, depending on the level of risk and complexity involved.” (S. 15)
28 Der Artikel über Kraljevic erschien am 22.10.2020 auf Grude-Online, wurde inzwischen aber gelöscht; https://www.grude-online.info
Vier Monate später, am 29.1.2021, sicherte die Schweizer Wirtschaftsplattform „Inside Paradeplatz“ den Artikel mit Screenshots und veröffentlichte eine Geschichte über das Interview: „Knast-Kroate hatte 10 Prozent an Masken-Emix“; die Screenshots des Interviews liegen StealthCrime Research vor; https://insideparadeplatz.ch/2021/01/29/knast-kroate-hatte-10-an-masken-emix/
29 North Data; https://www.northdata.com/EMIX%20CONSULTING%20GmbH,%20Zug/CHE-184.750.975
30 Interview mit Kraljevic vom 22.10.2020 auf ; https://www.grude-online.info
31 Kraljevic scheidet als Gesellschafter und Geschäftsführer der Partarum Secura GmbH am 5.5.2020 aus. Am 15.6. rückt Dean Teuber nach und die Gesellschaft wird in Emix Consulting GmbH umfirmiert; https://www.northdata.com/EMIX%20CONSULTING%20GmbH,%20Zug/CHE-184.750.975
32 „Serious and organised crime has a double destabilising effect on the EU and its Member States. It undermines and reduces trust in the EU’s economy, rule of law, and society as a whole by generating illicit proceeds, spreading violence, and normalising corruption. It is also progressively driven by hybrid threats, directed externally, that encompass a broad range of criminal activities and tactics operated via criminal proxies.“
EUROPOL, The changing DNA of serious and Organized Crime“, 2025, S.11; https://www.europol.europa.eu/publication-events/main-reports/changing-dna-of-serious-and-organised-crime
33 Financial Times, „Hot Money - The New Narcos“, 8-teiliges Podcast, Episode 6: „Ties with Teheran“, 18.12.2023; https://www.ft.com/content/4940512a-068d-4885-b8eb-ab4914ad9262?utm_source=chatgpt.com
34 Die Financial-Times-Journalistin Catherin Belton hat diesem Thema ein umfangreiches Buch gewidmet, das die Protagonisten und Strategien der Kooperation zwischen Staat und Mafia in Rußland dokumentiert: Catherine Belton, Putins Netz, Hamburg 2022
