
Nine/Eleven I
Die Berliner Spur
9/11 hat Tausende von Opfern gefordert, es gab aber auch Profiteure. Zwei von ihnen folgt StealthCrime auf ihrem Lebensweg von Mombasa über Vancouver nach Berlin und schließlich nach Karachi. Dabei wird ein Netzwerk sichtbar, das internationale Banken, organisierte Kriminalität, Jihadisten und westliche Geheimdienste zusammenführt.
Als die Sonne um 6 Uhr 32 über dem Atlantik aufgeht, sitzen die Trader von Cantor Fitzgerald schon seit einer halben Stunde vor ihren Bloomberg-Terminals. Hier, zwischen der 101. und der 105. Etage des Nordturms handeln sie mit amerikanischen Staatsanleihen. Die Treasury Notes und die T-Bonds sind die liquidesten Finanzinstrumente der Welt. 2001 liegt das tägliche Volumen bei 300 Milliarden Dollar, und ein gutes Viertel davon läuft über die Systeme von Cantor Fitzgerald. Cantor ist um die Jahrtausendwende einer der wichtigsten Broker für amerikanische Staatsanleihen. Er organisiert den Handel zwischen Käufern und Verkäufern, zwischen Banken, Fonds und Versicherern. Ein Job für Spezialisten. Unten, in den Straßenschluchten von New York, kennt kaum jemand den Namen der Firma.
Von außen sind die metallisch schimmernden Zwillingstürme des World Trade Centers ein Symbol der Macht und der Überlegenheit des amerikanischen Kapitalismus. Ikonisch wie die Brooklyn Bridge und das Chrysler Building. Aber drinnen, in den Büroetagen, herrscht eine schmucklose und zuweilen abgewetzte Funktionalität - Gipswände und Filzböden, und dahinter jede Menge Asbest. Eigentlich sind die Türme ein Sanierungsfall. Und auch die Aussicht bietet nicht das grandiose Panorama, das man hier oben erwarten würde. Die Fenster sind schmal wie Schießscharten - wegen der breiten Stahlträger, die die Türme an den Außenseiten tragen.
Es scheint, als ob an diesem Morgen eine Ahnung von Unheil durch das mächtige Gebäude zieht. Howard Lutnick, Chef von Cantor und jeden Morgen Punkt sechs an seinem Schreibtisch, entscheidet sich am 11. September, lieber seinen 5jährigen Sohn zur Schule zu bringen. Ein weiser Entschluss. Lutnick wurde dadurch alt genug, um heute Donald Trump als Handelsminister zu dienen.
Der Besitzer des Gebäudes, Larry Silverstein, unterbricht ebenfalls seine Routine: normalerweise frühstückt er um 8 Uhr 30 in 400 Metern Höhe im Restaurant „Windows on the World“. Heute aber hat einen Termin beim Dermatologen. Silverstein gehört zu den Netzwerken der Israel-Lobby, die ich in den Origin-Folgen über Epstein und Trump beschrieben habe. Der Immobilienunternehmer hat die Zwillingstürme sechs Wochen zuvor von der Hafenbehörde auf 99 Jahre geleast und das asbestverseuchte Gebäude mit 3,5 Milliarden versichert - unter anderem gegen Terroranschläge.
Auf einer anderen Etage finden auf den Computern einer Kreditkartenfirma Minuten vor dem Einschlag der Flugzeuge ungewöhnliche Transaktionen statt. 100 Millionen Dollar werden transferiert - und das kommt nur ans Licht, weil es einem deutschen Daten-Spezialisten gelingt es, die Festplatten aus den Trümmern von Ground Zero auszulesen1.
Und auch die Mitarbeiter von Cantor in den obersten Etagen des Nordturms bemerken Ungewöhnliches. Während der breite Aktienmarkt keine großen Ausschläge zeigt, klettert der Volatilitätsindex VIX. Seine Algorithmen verarbeiten Daten aus dem Optionsmarkt und berechnen, welche Kursschwankungen der Markt in Zukunft erwartet. Trader nennen den VIX auch den Angst-Index. Er verdichtet die Heils- und die Unheils-Erwartungen des Marktes zu einer Kennziffer.
Am 24. August ist diese Kennziffer 19,7 - ein normaler Wert. In den folgenden Tagen steigt er erst langsam dann immer schneller. Am Tag der Anschläge erreicht der VIX 31,8 - ein Plus von 60%. In Bernstein-Gelb sehen die Trader den Chart auf den schwarzen Screens ihrer Bloomberg-Systeme. Irgendjemand dort draußen in den unübersichtlichen Weiten des Marktes wettet auf einen Crash.
Um 8.46 kann man aus dem Handelsraum von Cantor einen Punkt sehen, der sich rasch von Nordosten nähert - über den East River, vorbei an Bronx und Central Park. Aber die Trader schauen nur auf ihre Screens.
Spurensuche
Nach den Anschlägen durchleuchtet die Börsenaufsicht SEC die Handelsdaten aller amerikanischen Börsen auf Indizien für Insiderhandel - 9,5 Millionen Transaktionen insgesamt, eine der größten Untersuchungen, die die SEC jemals unternommen hat2. Und sie wird fündig.
Zwischen dem 1. und dem 10. September haben Hedgefonds und andere Investoren eine ganze Reihe von Wetten auf fallende Kurse abgeschlossen. Im Visier haben sie Banken, den Flugzeughersteller Boeing und die Airlines, deren Maschinen als Waffen des Terrors dienten: American Airlines und United Airlines. Als Instrument nutzen sie sogenannte Put-Optionen, die zum Verkauf einer Aktie zu einem vorher festgelegten Preis berechtigen. Die Mathematiker der SEC sehen, dass diese Trades aus dem normalen Grundrauschen des Optionsmarktes herausragen. Wegen ihres Volumens, aber auch wegen des Verhältnisses von Put- zu Call-Optionen - von optimistischen zu pessimistischen Wetten. Die statistische Auffälligkeit ist bei einigen Trades so extrem, dass sie mit einer Chance von 1 zu 100 Zufall sein können. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere wissenschaftliche Untersuchungen in den Folgejahren.3
Weil das ziemlich verdächtig ist, übergibt die SEC die Daten dem FBI. Deren Agenten identifizieren die Investoren und befragen sie. Ergebnis: jeder hat eine plausible Begründung für seine Wetten, und deshalb sieht das FBI keine Indizien für Insider-Handel. So steht es im Abschlussbericht der 9/11 Kommission4.
Berechnen lässt sich aus den anonymen Daten der Börsenaufsicht, dass die unbekannten Investoren etwas über 20 Millionen Dollar5 verdient haben dürften. Das ist angesichts eines Ereignisses, das die Welt erschüttert, nicht viel. Ein Investor, der die Komplexität und die endlosen Möglichkeiten der Finanzmärkte kennt, wäre ganz anders vorgegangen. Er hätte zum Beispiel vorhersehen können, dass die amerikanische Notenbank in einem Terrorszenario die Zinsen massiv senken würde. Das hätte die Kurse der amerikanischen Staatsanleihen, die zum Beispiel über die Systeme von Cantor Fitzgerald gehandelt werden, ungewöhnlich stark ansteigen lassen. Im Billionen-Markt der Bonds hätten sich damit völlig unauffällig Milliarden verdienen lassen. Ohne, dass irgendjemand den Bezug zu 9/11 hergestellt hätte. Und so sind die plumpen Wetten im Optionsmarkt fast der einzige erkennbare Hinweis, dass einige im Finanzmarkt das Ereignis vorausgeahnt haben. Leider halten die US-Behörden die Akten dazu unter Verschluss.
Das Listing
Das Schlosshotel im Berliner Grunewald ist ein diskreter Ort. Versteckt in einer Seitenstraße der Königsallee, gebaut in einer Zeit, als der Kaiser hier zur Jagd ausritt. Es gibt viel altes Holz, hohe Räume und ausladende Kronleuchter, alles ziemlich repräsentativ, aber doch nicht zu groß, sondern eher fast privat in der Wirkung.
An diesem Vormittag im Jahr 2001 bestellt der Concierge den Limo-Service für einen Stammgast, der am Vorabend aus Zürich eingeflogen ist. Der Mann trägt einen dunkelblauen Maßanzug, elegante Manschettenknöpfe, Seidenkrawatte und Slipper mit Goldschnalle. Die geschmeidigen kleinen Schuhe stehen in einem gewissen Kontrast zu seinem massiven Körper. Seine Haut zeigt die Tönung des Mittleren Ostens oder des indischen Subkontinents, er hat volle Lippen und eine weiche Stimme.
Shafiq Nazerali lässt sich auf den Rücksitz der S-Klasse fallen. Der Wagen bringt ihn über die Königsallee Richtung Halensee - vorbei am Löwenpalais und den anderen Gründerzeitvillen mit altem Baumbestand. Als sie den Kurfürstendamm erreichen, hält der Fahrer vor einem Bürogebäude mit Aluminiumfassade. Hier ist der Sitz der Berliner Effektengesellschaft.
Nazerali ist gekommen, um eine kanadische Firma an der Berliner Börse listen zu lassen: Imagis Technologies. Sie hat eine Software zur Gesichtserkennung entwickelt, die sie an Flughäfen und Sicherheitsbehörden vermarkten will - zur Terrorabwehr. Auf der Chefetage wird Nazerali von Holger Timm erwartet, Gründer und CEO der Berliner Effektenbank, ein Broker, der große Teile des Aktienhandels an der Berliner Börse kontrolliert und auch in Frankfurt eine Rolle spielt.
„Hey Buddy“, begrüßt Nazerali den Banker, „all good? Got a great new stock for you.“ Und dann erklärt Nazerali die Story hinter seiner neuen Firma. Die Software nutzt die Live-Bilder bestehender Überwachungskameras, zerlegt Gesichter in Datenpunkte und gleicht sie mit dem Bestand einer Datenbank ab. In 90% der Fälle kann sie ein Gesicht identifizieren - sagt Nazerali mit seiner soften Stimme. Gesichtserkennung steht 2001 an der Schwelle zur Marktreife. Aber die Trefferquote hängt stark von den Umständen ab: Lichtverhältnisse, Blickwinkel und Distanz können die Quote drastisch senken.
Timm ist ein zurückhaltender Mann. Fast jede Woche kommt ein Stock Promoter wie Nazerali vorbei und erzählt ihm von einer neuen Geschäftsidee, die die Welt erobern und die Anleger reich machen wird. Es sind fast immer Penny-Stocks aus Nordamerika, die dort an wenig regulierten Börsen gehandelt werden, im sogenannten OTC-Handel von New York oder in Vancouver. Die Hintermänner dieser Deals kommen nach Deutschland, um die Aktien in Berlin und Frankfurt an die Börse zu bringen. Abgesehen haben sie es auf leichte Beute - das sprichwörtliche „Stupid German Money“. Wenn das Unternehmen in Nordamerika bereits eine Börsennotiz hat, ist das Listing in Deutschland reine Formsache.
Timm bietet das Listing als Dienstleistung an. Verdienen wird er am Handel der Aktie. Der Handel ist damals noch nicht digital, sondern größtenteils Handarbeit: die Broker stellen die Kurse für An- und Verkauf und verdienen an der Differenz, dem Spread. Die Berliner Effektengesellschaft betreut Hunderte solcher Kleinstaktien - da summieren sich die Spreads über’s Jahr gerechnet zu Millionenbeträgen. Und weil Timm nicht nur den Berliner Markt dominiert, sondern auch eine Tochtergesellschaft in einer Frankfurter Nebenstraße hat, kann er für seine Kunden den größten Teil des deutschen Aktienmarkts abdecken.
Timm schaut Nazerali an. „Gesichtserkennung also. Und das Geschäftsmodel?“
„Wir lizensieren an Flughäfen, Polizei und Sicherheitsbehörden. Ideales Tool zur Terrorabwehr. Die sind alle ganz heiß darauf.“
Terrorabwehr - Timm denkt nach. Die Welt ist im Jahr 2001 kein ruhiger Ort, aber Terrorabwehr ist zur Jahrtausendwende kein Trendthema. Der letzte große Anschlag in der westlichen Welt liegt über fünf Jahre zurück. Damals hatten zwei Verrückte ein Bürogebäude in Oklahoma City in die Luft gesprengt. Timm kennt Nazerali - er ist ein Verkäufer-Typ, und was er verkauft sind nicht Zahlen und solide Geschäfte, sondern Visionen - heiße Börsen-Stories, die die Anleger gerne glauben. Das letzte Mal kam er mit Marine Shuttle. Die wollten riesige Spezialschiffe bauen, um alternde Bohrinseln in der Nordsee zu entsorgen. Das Konzept bestand nur auf dem Papier, aber umweltbewusste Anleger haben die Aktie gekauft, als hinge die Rettung der Welt von Marine Shuttle ab.
„Und du meinst, die Story zieht?“ fragt Timm.
Nazerali erzählt von der unsicheren Weltlage und dem steigenden Sicherheitsbedürfnis. Er ist eloquent, er denkt schnell und so merkt man gar nicht, wenn er eine Antwort schuldig bleibt.
„Dann hoffen wir mal auf gute Geschäfte“, sagt Timm. Er weiß was bald folgen wird. Nazerali wird die deutsche Promotion-Maschine anwerfen. Ein Ökosystem von Börsenbriefen, Telefon-Hotlines und online-Foren, die ihre Kunden jede Woche mit neuen Investment-Ideen stimulieren. Ihr Geschäftsmodell ist der Hype, nicht die Beratung. Die Stars der Szene sind um die Jahrtausendwende ein Ex-Autohändler aus Franken und ein schwäbischer Bäcker, die beide ein Millionenpublikum erreichen. Sie verdienen an den Abos ihrer Produkte, das große Geld aber machen sie abseits der Öffentlichkeit. Die amerikanischen Hinterleute der Penny-Aktien schieben ihnen Optionen und Aktienpakete zu - meistens auf Offshore-Konten. Als der Bäcker und Börsenguru Markus Frick 2008 wegen Marktmanipulation ins Visier der Staatsanwaltschaft gerät, beschlagnahmen die Beamten Millionen auf den Konten einer Frick-Gesellschaft aus Mauritius6.
Das Geschäftsmodell
Nazerali lässt sich zurückfahren ins Schlosshotel Grunewald. Die Sache mit Timm war ein Handschlag-Geschäft. Die Details erledigt der Mann, den er für’s Operative installiert hat, einer jener Söldner des Kapitalmarkts, die Anzug tragen und Krawatten binden können, aber keine Chance auf eine ernsthafte Karriere haben. MBA von einer trostlosen Provinz-Universität, Berufseinsteig bei No-Name-Firmen - so einer wird dann Management-Darsteller in einem Börsenvehikel. In diesem Fall ist es Ian Drummond, CEO des Terrorabwehr-Spezialisten Imagis.
Die eigentlichen Entscheidungen treffen Shafiq Nazerali und sein Bruder Ali. Ihnen gehört die Investmentgesellschaft Valor Invest, Hauptquartier in Vancouver, Dependance in Zürich. Man darf sich Valor nicht als Finanzkonzern vorstellen. Es ist ein Zwei-Mann-Shop mit ein paar Vorzimmerdamen, die gut aussehen. Je weniger Mitwisser, desto besser ist es für die Brüder.
Das Geschäftsmodel der Nazeralis ist es, trendige Geschäftsideen in inaktive Börsenmäntel zu packen, die wertlosen Gesellschaften zu bewerben und die Aktien zu Höchstkursen an gierige, aber nicht sehr schlaue Anleger loszuschlagen. Bevor das Kartenhaus in sich zusammenbricht. Pump-and-Dump nennt das FBI die Methode. Sie ist ein Klassiker der amerikanischen Mafia.
Shafiq Nazerali hat die Pump-and-Dump-Technik verfeinert und an die Zürcher Verhältnisse angepasst. Sein Büro, in der Nähe des Bahnhofs Enge ist nicht besonders repräsentativ und so trifft er seine Gesprächspartner lieber in den Lobbys der großen Hotels. Sein zweites Zuhause ist das Eden au Lac auf der anderen Seite des Zürichsees, einen Steinwurf von der Oper.
Hier raucht er seine Cohibas und empfängt die Broker und Banker jener Schweizer Geldhäuser, die die Vermögen der Wohlhabenden dieser Welt diskret verwalten. Zwischendurch bringt der Concierge die frisch gebügelten Hemden für Nazerali, dann brechen sie auf zu den Luxusrestaurants der Stadt. Manchmal fahren sie auch auf den Züriberg zum Hauptquartier der FIFA. Das liegt gleich neben dem Grandhotel Dolder, und hat ein Restaurant mit Blick über den See auf die schneebedeckten Gipfel der Alpen. Shafiq ist hier Stammgast, der Koch kommt an den Tisch, er empfiehlt gerne was mit Trüffel oder Kaviar, und die Weine tragen die Namen der großen Güter Frankreichs. Selten ist die Rechnung für eine kleine Runde unter 5.000 Franken. Manchmal lässt Nazerali um die Zeche würfeln, und wenn die Banker schwitzen, legt er lachend die Centurion von Amex auf den Tisch. Danach nimmt er seine Begleiter gerne mit in eins der Luxusbordelle in der Innenstadt. Auch hier kennt man ihn, auch hier übernimmt er die Rechnung.
„Wining and Dining“ nennt Shafiq die Strategie. Ab und zu erwähnt er einen neuen Deal, einen Penny-Stock mit großartiger Zukunft. Mehr braucht es nicht, um seine Gäste zur Kooperation zu animieren. Sie verwalten Depots im Wert von Hunderten von Millionen Franken, das zusammengeraffte Geld von Steuerflüchtlingen, Despoten und Kriminellen. 2001 ist das Bankgeheimnis der Schweiz noch wasserdicht. Bei der Größe der Depots fällt es nicht auf, wenn ein paar Hunderttausend in Nebenwerte investiert werden. Die Banker nennen das „Core-and-Satellite-Strategy“ und sprechen den Begriff mit jenem starken Schweizer Akzent aus, der selbst das abgehobenste Argument irgendwie noch bodenständig klingen lässt. Sollte die Strategie einmal nicht aufgehen, und das Investment sich in Vancouver oder im Berliner Freiverkehr in Luft auflösen: keiner der Geschädigten würde je die Behörden informieren.
Auf diese Weise verbindet Shafiq Nazerali Geschäft und Genuss. Er ist ein Virtuose auf dieser Klaviatur. Aber er achtet darauf, dass seine sogenannten Equity-Stories zumindest dem Anschein nach plausibel sind und dass sie einen aktuellen Trigger haben. Die Story von Imagis hat beides nicht. Die Firma agiert in einem kleinen Nischenmarkt. Wie sollte daraus plötzlich eine große Börsenstory werden?
Das bringt uns zwangsläufig zu der Frage, ob die Nazerali-Brüder schon im Jahr 2000 ahnten, dass Terrorismus bald ein großes Thema werden würde. Trafen sie eine „informierte Entscheidung“, als sie Imagis zu ihrem Projekt machten?
Bewegtes Leben
Die Bemühungen der US-Behörden, die Ereignisse vom 11. September aufzuklären, haben mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet. Der Bericht der 9/11-Kommission hat den Widerspruch von Statik-Experten hervorgerufen und konnte auch nicht plausibel erklären, wieso ein Fluganfänger das flach gebaute Pentagon in einem selbst für Profis gewagten Manöver präzise treffen konnte.
Die Ungereimtheiten haben dazu geführt, dass sich in der Öffentlichkeit eine Reihe von alternativen Theorien zu den Hintergründen der Anschläge entwickelten. Sie seien eine Inszenierung der amerikanischen Geheimdienste gewesen, um den Weg zum Überwachungsstaat zu ebnen; ein Werk der Neokonservativen, um neue Kriege im Mittleren Osten zu legitimieren; oder des israelischen Geheimdienstes, der die USA in den nahöstlichen Sumpf ziehen wollte.
Zusätzlich befeuert wurden diese Theorien dadurch, dass die Katastrophe viele Opfer, aber auch einige unwahrscheinliche Gewinner produzierte - wie den glücklichen Besitzer des World Trade Centers, die unbekannten Optionshändler und eben die Nazerali-Brüder mit ihrem Software-Startup.
Die meisten dieser Geschäfte wurden durch die Geheimhaltungspolitik des FBI und der 9/11-Kommission abgeschirmt, so dass die Akteure und ihre Netzwerke von Journalisten und Öffentlichkeit nicht unter die Lupe genommen werden konnten. Die Nazeralis aber waren so unbedeutend, dass sie nach den Anschlägen unter dem Radar blieben.
Wer ihren Lebensweg rekonstruiert, gelangt in eine Welt, in der sich Börsengaunereien mit organisierter Kriminalität, Drogenhandel und Geheimdienstarbeit mischen. Und in der es Verbindungen zum Jihadismus gibt. Die Spur führt von Vancouver über Zürich nach Berlin und Amsterdam - und von dort schließlich nach Karachi, der pakistanischen Hafenstadt am Arabischen Meer. Diese Stationen besichtigen wir in der nächsten Folge der 9/11-Serie.
Fussnoten
Abgerufen: 22.09.2026; 10:52:41
3 Allen M. Poteshman
University of Illinois - Department of Finance
Unusual Options Market Activity with an Application to the Terrorist Attacks of September 11, 2001
https://papers.ssrn.com/sol3/papers.cfm?abstract_id=370741
Wing-Keung Wong,
Hong Kong Baptist University;
Howard E. Thompson,
University of Wisconsin;
Kweehong Teh
National University of Singapore
Was there Abnormal Trading in the S&P 500 Index Options Prior to the September 11 Attacks?
4 https://www.9-11commission.gov/staff_statements/911_TerrFin_Monograph.pdf?utm_source=chatgpt.com
Abgerufen: 22.09.2026; 08:33:21
5 https://ic911.org/toronto-hearings/report/toronto-report-ch-06/?utm_source=chatgpt.com
Abgerufen
Abgerufen: 28.09.2026; 08:21:51
